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Bereitgestellt: 18.08.2026
Die Zeit
Vor kurzem war ich bei einem Bauern, als landwirtschaftlicher Kontrolleur. Er hat mir erzählt, dass er in der Sternwarte Zimmerwald arbeite - natürlich als Abwart, so dachte ich – „Nein, nein,” antwortete er mir, „ich mache Führungen.” Das hat mich erstaunt und sehr gefreut. „Da musst du ja einiges wissen über Astronomie”, sagte ich zu ihm, was eine lange Diskussion über die Entstehung der Erde, über die Zeit, den Urknall und darüber, was Materie überhaupt ist, ausgelöst hat. Es war hochspannend.
Zur gleichen Zeit wurden anlässlich des 25-Jahr-Jubiläums des Tagesgesprächs von SRF spannende Gäste eingeladen. Unter anderem war die Astrophysikerin Katrin Altwegg zu Gast, mit ihrer Rosetta Mission wurde sie weltbekannt. Sie erzählte über das Universum, über Materie und über Zeit und Raum. Die Wissenschaft verstehe momentan maximal 5% davon, was im Universum passiere. Eine Theorie wird durch neue Erkenntnisse immer wieder von neuen Theorien abgelöst. Eine Aussage von Kathrin Altwegg hat mich fasziniert: Vor dem Urknall war nichts, absolut nichts, auch keine Zeit.
Das hat mich inspiriert über die Zeit nachzudenken und mehr darüber zu lesen. Mir geht es wie vielen älteren Menschen, die Zeit vergeht im Flug, und immer schneller, je älter wir werden. Als Kind fragte ich mich, wie schaffe ich die neun Schuljahre, die Zeit zwischen den Ferien war lang. Heute schaue ich einmal zurück und zehn Jahre sind vergangen.
Wir Menschen denken in Zeitabschnitten. Am Anfang bestimmte der Rhythmus der Natur die Zeit, sähen, ernten. Die Feste wurden im Rhythmus der Natur gefeiert, man feierte den Frühlingsanfang, Lichterfeste in der dunklen Jahreszeit – viele solche Naturrituale wurden in die christliche Religion übernommen, wie zum Beispiel Ostern. Wenn wir in einer geraden Linie denken, nach der Zeit, dann ist es eine Tatsache, dass alles einen Anfang und ein Ende hat. Unser Leben auf dieser Erde begann und endet wieder, die Berge entstanden und vergehen langsam wieder, wir finden versteinerte Muscheln auf unseren Felsen, welche einmal auf dem Meeresgrund lagen. Vor 300 Mio. Jahren entstanden unsere heutigen Kontinente aus dem Urkontinent Pangaea, auch sie werden sich wieder verändern. Alles hat einen Anfang und auch ein Ende, irgendwann muss alles beginnen – und wieder vergehen – etwas anderes kann das menschliche Gehirn kaum fassen. Darum überfordert es uns, wenn vor dem Urknall nichts gewesen sein soll, weder Raum noch Zeit, einfach nichts. Etwas Unvorstellbares.
Die landwitschaftliche Kontrolle hat schlussendlich stattgefunden, in Erinnerung geblieben ist mir aber das Gespräch. Der Bauer und ebenso Katrin Altwegg haben mir nach der Frage nach Gott geantwortet: Gott ist genau dort, wo Menschen Fragen stellen und nach Antworten suchen, welche sie vielleicht nie finden. Er ist am Anfang, dort wo nichts, absolut nichts, war und der Urknall trotzdem ausgelöst wurde, jemand musste doch alles in Bewegung setzen. Beim weiteren Nachdenken ist mir der Gedanke gekommen, dass vielleicht die Antwort auch im biblischen Text zu finden ist:
Am Anfang erschuf Gott Himmel und Erde Die Erde war wüst und wirr und Finsterns lag über der Urflut Und Gottes Geist schwebte über dem Wasser.
Fritz Mori, Kirchgemeindepräsident
