Pfarrer Emanuil Dragnev stellt sich vor

20231217_emanuil-dragnev_0201-Edit_1920px-2 (Foto: E.Dragnev)
Brücken bauen
Kirche war für mich nie nur ein Gebäude. Es war immer auch ein Ort, an dem Menschen einander offen begegnen - mit ihrer Geschichte, ihren Fragen, ihrer Hoffnung und oft genug auch mit ihren offenen Wunden. Vielleicht begleitet mich darum das Bild der Brücke schon lange.

Ich heisse Emanuil Dragnev und durfte mein Vikariat in der reformierten Kirchgemeinde Oftringen abschliessen. Aufgewachsen bin ich mit einem starken kirchlichen Bezug. Mein Vater wirkt seit vielen Jahren als Pastor in Bulgarien, in einer Gemeinde, in der besonders Menschen aus der Roma-Bevölkerung Heimat, Glauben und Gemeinschaft finden. Schon früh habe ich erlebt, dass Kirche dort ihren Platz hat, mitten im Dorf. Wo Menschen einander begegnen, begegnen sie auch Gott.

Mein eigener Weg führte mich nicht direkt ins Pfarramt. Viele Jahre war ich in der Hotellerie in Leitungsverantwortung tätig. Dort habe ich gelernt, wie wichtig Gastfreundschaft ist. Menschen sollen sich gesehen, verstanden und angenommen fühlen und auch am besten am Geschehen beteiligt werden. Sie sollen wissen, dass sich hier jemand Zeit nimmt. Hier bin ich nicht nur eine Nummer, hier darf ich mitgestalten. Diese Erfahrung prägt auch mein Verständnis von Kirche.
Später führte mich mein Weg in die Theologie nach Basel. Dort durfte ich den Glauben noch einmal neu und vertieft reflektieren: biblisch, historisch und praktisch. Besonders beschäftigen mich Fragen rund um Migration, Einsamkeit, Seelsorge und interkulturelle Gemeindeentwicklung. Wie kann Kirche heute ein Ort sein, an dem verschiedene Lebensgeschichten Raum bekommen? Wie können Menschen, die neu ankommen oder am Rand stehen, nicht nur Gäste bleiben, sondern wirklich dazugehören?

Für mich beginnt Brückenbauen mit Zuhören. Nicht mit grossen Konzepten, sondern mit echtem Interesse am Anderen, am zunächst Fremden: Wer bist du? Was bringst du mit? Was suchst du? Was brauchst du? In einer Zeit, in der viele Menschen nebeneinanderher leben, braucht es Orte, an denen Begegnung möglich wird. Die Kirche kann ein solcher Ort sein -nicht perfekt, aber getragen von der Hoffnung, dass Gott Menschen zusammenführen will.

Der reformierte Glaube bedeutet für mich, dass wir aus der Gnade Gottes leben dürfen. Nicht unsere Leistung, Herkunft oder Sprache geben uns Würde und Kraft, sondern Gottes ewige Ja zu uns hier und jetzt. Daraus wächst eine Freiheit, die ansteckt. Sie öffnet den Blick für den Nächsten, für die Gemeinde, für die Welt, für unser ewige Ja,.. zu Gott.

Ich freue mich darauf für Kirche 32 im Seeland Menschen kennenzulernen, gemeinsam Gottesdienste zu feiern, zuzuhören, zu lernen und mitzugestalten. Ich bringe meine Erfahrungen aus Bulgarien, der Schweiz, der Hotellerie und der Theologie mit - und zugleich die Bereitschaft, weiter zu lernen,.. und demütig zu dienen.

Brücken entstehen nicht an einem Tag. Sie erwachsen mühsam dort, wo aus Liebe Vertrauen wird. Da, wo Vertrauen eine Form aus Beton annimmt, um auf die andere Seite zu gelangen, damit man gemeinsam sein darf. Genau darauf freue ich mich - gemeinsam unterwegs zu sein, im Glauben, im Gespräch und im Dienst an Gott und an den Menschen.

Pfarrer Emanuil Dragnev