Stärke in der Unvollkommenheit

„Wir haben verschiedene Gaben, je nach der uns verliehenen Gnade.“ – so schreibt Paulus im Römerbrief.
IMG-20260506-WA0000-1 (Foto: Fritz Mori)

Dieser Satz von Paulus erinnert daran, dass Vielfalt kein Zufall, sondern eine Absicht ist. Doch im Alltag geschieht oft das Gegenteil: Wir sehen zuerst, was jemand nicht kann.

Wie viel Stärke übersehen wir, wenn wir nur die Schwäche sehen?

Das Zitat von Pro Infirmis – „Wie viel Stärke übersehen wir, wenn wir nur die Schwäche sehen?“ – bringt diese Schieflage für mich auf den Punkt. Wer sich nur auf Defizite konzentriert, übersieht leicht, was jemand ausmacht und beiträgt: Geduld, Ausdauer, Humor, Mitgefühl – Eigenschaften, die sich nicht in Noten oder Lebensläufen messen lassen, für unser Zusammensein aber unverzichtbar und tragend sind.

Vielleicht liegt darin eine Einladung, nicht nur die vermeintliche Schwäche wahrzunehmen, sondern den Blick bewusst auf das zu richten, was getragen, geformt, gereift ist – auf das, was stark macht. Denn das Vollkommene und Perfekte ist nicht das Mass menschlicher Würde. Die Stärke eines Menschen zeigt sich oft gerade dort, wo er mit seiner Unvollkommenheit lebt – und daraus Menschlichkeit schafft.

Ich wünsche, dass wir uns mit der eigenen Unvollkommenheit versöhnen und den Blick vermehrt auf die verborgenen Stärken richten. So leisten wir einen Beitrag an eine Gesellschaft, die Nächstenliebe, Akzeptanz und Würde ins Zentrum rückt. Ich wünsche uns allen Erfolg bei der Umsetzung.

Andy Bula, Kirchgemeinderat