Aus dem Kirchgemeinderat

"Zuerst komme ich" - Der Zeitgeist der Selbstbezogenheit
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«Wir leben in einer Zeit, in der das eigene Ich zum Maß aller Dinge wird.» – Dr. Johannes Hartl, Instagram-Beitrag vom 1. Juli 2025

Wer heute durch die sozialen Medien scrollt, begegnet einem Motiv, das sich durch viele Lebensbereiche zieht: Das Ich steht im Zentrum.

Ob in Karriere, Freizeit oder Beziehungen – immer häufiger entscheidet das persönliche Wohlbefinden, was richtig und wichtig ist. Dr. Johannes Hartl bringt dieses Phänomen in seinem aktuellen Instagram-Beitrag auf den Punkt: «Wir leben in einer Zeit, in der das eigene Ich zum Maß aller Dinge wird.» (Quelle: Instagram/Dr Johannes Hartl, 1.7.2025)

«Was mich nicht glücklich macht, kann weg. Was mich fordert, ist toxisch. Was mich langweilt, ist Zeitverschwendung. » Dr. Johannes Hartl

Diese Sätze spiegeln eine Haltung wider, die nicht nur in den sozialen Medien, sondern auch im Alltag immer sichtbarer wird. Alles, was nicht unmittelbar dem eigenen Glück dient, ist uninteressant. Herausforderungen werden schnell als «toxisch» abgestempelt, und selbst Momente der Langeweile gelten als zu vermeidende Zeitverschwendung. Es entsteht eine Kultur, in der das eigene Wohl zum höchsten Wert erklärt wird. Alles andere ist zweitrangig.

Doch was bedeutet das für unser Zusammenleben? Für das Miteinander in Familien, an Arbeitsplätzen, in der Gesellschaft allgemein? Wenn das «Ich» immer an erster Stelle steht, bleibt für das «Wir» oft wenig Raum. Beziehungen werden brüchiger, weil sie dem ständigen Glücksversprechen standhalten müssen. Engagement für andere wird zur Ausnahme, nicht zur Regel.

«Aber vielleicht ist das, was mich fordert, gerade das, was mich wachsen lässt. Vielleicht ist das, was mich langweilt, der Raum, in dem Neues entstehen kann.» Dr. Johannes Hartl

Diese Worte laden zum Nachdenken ein: Was, wenn gerade die Reibung, das Unbequeme, das Herausfordernde uns weiterbringt? Was, wenn wir im Verzicht auf das ständige «Ich zuerst» eine neue Art des Zusammenlebens entdecken – in Beziehungen, im Glauben, im Leben?

Die Bibel lädt immer wieder dazu ein, über das eigene Ich nachzudenken. Nächstenliebe, Hingabe, Gemeinschaft – das sind Werte, die unserem Zeitgeist widersprechen, aber unser Leben bereichern können. Vielleicht ist es an der Zeit, dem «Ich» wieder einen Platz im «Wir» zu geben – und damit Raum für echtes Wachstum und Miteinander zu schaffen.

Andy Bula, Kirchgemeinderat Kallnach-Niederried